NACKTGELD
Der Schweizer Filmemacher Thomas Imbach bewegt sich seit jeher zwischen Dokumentar- und Spielfilm und betritt auch in seinem neuesten Film Neuland. Seine Adaption von Arthur Schnitzlers Novelle «Fräulein Else» Nacktgeld entstand nicht in der echten Bergwelt eines noblen Ferienortes, sondern im Filmstudio Basel. In einer virtuellen 3-D-Kulisse mit Engadin-Projektionen interpretieren die Schauspieler:innen den literarischen Stoff aus den 1920er-Jahren, wodurch sich die Konzentration ganz auf ihr Spiel richtet. Gerade aus diesem Spannungsverhältnis bezieht der Film seine besondere Kraft. Thomas Imbach wird am Mittwoch, 4. März im Stadtkino Basel zu Gast sein.
«Der Schweizer Thomas Imbach hat der hundertjährigen Novelle von Arthur Schnitzler eine filmische Form gegeben, die auf der technischen Ebene den neuartigen Gedankenstrom der literarischen Vorlage von 1924 überträgt. Else ist hier Lili, die im Urlaub in eine Zwangslage gerät, als die Mutter sie dazu bringen will, einen gewissen Dorsay um Geld zu bitten – der Vater hat eine beträchtliche Summe verspielt, Gefängnis droht. Eingezwängt von zwei potenten Männern – hier das Familienoberhaupt, dort der schmierige Familienfreund – muss sich Lili entscheiden, ob sie ihren nackten Körper gegen Geld dem Male Gaze aussetzt. Das thematisiert früh ‹Metoo›, bei Imbach übersetzt sich das in eine rasante Inszenierung vor einer 3-D-Projektion, gefilmt in 16mm-Tiefkörnigkeit, während die Gedanken unaufhaltsam in einen Strudel geraten.» Dunja Bialas, artechock
«Statt reale Bergwelten erscheinen im Bildhintergrund etwa 3-D-Projektionen, von denen eine künstliche, bis surreale Wirkung ausgeht – ein bewusster Kunstgriff, um die Welt auf Distanz zu halten und stärker in die Gedanken der Protagonistin Lili einzutauchen. Nacktgeld ist ein erstaunlicher Film, der das Publikum dazu auffordert, mit alten Gewohnheiten zu brechen und sich von einer anderen und gelegentlich surrealen Erzählerfahrung mitreissen zu lassen, die uns dazu bringt, über die Gegenwart nachzudenken, indem wir die Vergangenheit erforschen.» Muriel Del Don, Cineuropa










