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Filmreihe: KLBF Goes Downtown

 
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Stills  |  Trailer 

Touch Me Not


Sonntag 02.12.2018 13:00
Montag 03.12.2018 21:30 *
Freitag 07.12.2018 18:15
Montag 10.12.2018 18:00

* GEÄNDERTE SPIELZEIT
Anders als im Programmheft angegeben beginnt diese Vorstellung heute erst um 21:30 Uhr.

Rumänien/Deutschland/Tschechische Republik/Bulgarien/Frankreich 2018

124 Min. Farbe. DCP. E/D/d/f

 

Regie: Adina Pintilie

Buch: Adina Pintilie

Kamera: George Chiper

Schnitt: Adina Pintilie

Musik: Ivo Paunov

Mit: Laura Benson, Tómas Lemarquis, Christian Bayerlein, Grit Uhlemann, Adina Pintilie

«In laborhaften Tableaus erkundet Touch Me Not Intimität und die Angst davor. Laura, eine Frau mit Angst vor körperlicher Berührung, engagiert zur Selbsterkundung verschiedene Sexdienstleister: einen Callboy, der vor ihr onaniert, einen Spezialisten für SM und andere Rollenspiele sowie eine transsexuelle Sex- und Lebenskünstlerin, die ihre Brüste Lilo und Gusti getauft hat. Pintilies Heldin wirkt einerseits gefangen in den unsichtbaren Wänden, die ihren Körper umgeben, aber auch auf faszinierende Weise frei im Blick auf sich selbst, ihre Ängste und Abgründe. Ihre Wege führen sie zu einer Gruppentherapiesitzung, in der Behinderte und Nichtbehinderte lernen, einander zu berühren. Ein Teilnehmer ist der an spinaler Atrophie erkrankte Christian Bayerlein. Dessen Therapiepartner wird dazu aufgefordert, Bayerleins Gesicht mit hervorstehenden Zähnen und von Speichel benetzten Mundwinkeln zu berühren. In Gesprächen wird deutlich, dass sich Bayerlein in seinem gebrechlichen, von der Krankheit verformten Körper wohlfühlt, dass er stolz ist auf die Grösse seines Geschlechtsteils, auf die innige Sexualität mit seiner Frau. Während man in Bayerleins schöne hellblaue Augen schaut und Lauras Selbstexpedition folgt, merkt man, wie sich der eigene Blick wandelt, Konstruktionen des Schönen und Hässlichen verschwimmen. Weshalb ist der Blick auf das Nichtnormative unangenehm? Ist Bayerleins behinderter Körper tatsächlich behindert? Steht Lauras Abneigung gegen Berührungen für eine Asexualität, die sich genauso erfüllt leben lässt wie ihr Gegenteil?»

Katja Nicodemus, Die Zeit, 28.2.2018

 

«Die (Un-)Fähigkeit, zu berühren und berührt zu werden, wird grundlegend von unserer Geschichte und der unserer Familie beeinflusst und ist mit ihr verbunden. Durch aussergewöhnliche Erfahrungen versucht Touch Me Not, Intimität und Sexualität, Selbstliebe und die Liebe zu anderen zu erforschen (...). Eine künstlerische Studie, die in der zutiefst respektvoll und empathisch wirkenden Beziehung zwischen Adina Pintilie und ihren Charakteren definiert ist und sich auf dieser Beziehung entwickelt. Manche sind Schauspieler, manche nicht. Wir müssen nicht wissen, ob sie eine Rolle oder sich selbst spielen, und können definitiv davon ausgehen, dass sie alle, bis zu einem gewissen Grad, genau verstehen, womit sie sich auseinandersetzen müssen. Touch Me Not ist zweifellos ein aufwühlender und auf die denkbar fruchtbarste Weise anspruchsvoller Film, weil er den Zuschauer, nachdem dieser die Reise begonnen hat, feinfühlig dazu bringt, seinen Blick neu auszurichten und sich für neue Potenziale zu öffnen. Ähnlich wie die Protagonisten geht es vielleicht darum, alte Muster zu überwinden und sich freizumachen, egal, für wie lange.»

Emilie Bujès, visions du reel 2018

 



Adina Pintilie
Die rumänische Künstlerin und Regisseurin hat 2008 ihr Studium an der Caragiale University of Theatre Arts and Cinematography in Bukarest abgeschlossen. Ihre Filme wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Zonta-Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2013 für Diary #2. Ihre Werke testen die Grenzen zwischen Fiktion, Dokumentation und bildender Kunst. Sie zeichnen sich aus durch einen sehr individuellen Bildstil, dem Mut zum Experimentellen und einer kompromisslosen Erforschung der menschlichen Psyche. Seit 2010 ist sie Kuratorin des Internationalen Experimentalfilmfestivals Bukarest (BIEFF). Touch Me Not ist ihr erster Langfilm und wurde auf der Berlinale 2018 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.