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Le Bon Film

 
The House That Jack Built - Official Trailer 2018 from Manuel Alberto Claro on Vimeo.
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Stills  |  Trailer 

The House That Jack Built


Donnerstag 24.01.2019 20:15  

Dänemark/Frankreich/Deutschland/Schweden 2018

152 Min. Farbe. DCP. E/d

 

Regie: Lars von Trier

Buch: Lars von Trier

Kamera: Manuel Alberto Claro

Schnitt: Jacob Secher Schulsinger, Molly Marlene Stensgaard

Mit: Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman, Siobhan Fallon Hogan, Sofie Gråbøl

«Jack ist ein (Bau-)Ingenieur, der eigentlich gerne ein Architekt wäre, ein Mann, der eher dem Handwerk nahesteht, aber nach Sublimierung, nach künstlerischem Ausdruck strebt. Diesem Wunsch nach Sichtbarkeit, danach, etwas zu hinterlassen, das das eigene Leben überdauert, kommt Jack auf zweierlei Weise nach: Zum einen gibt es das Haus, das er baut und das er immer wieder abreisst und noch einmal neu beginnt. Und zum anderen die Morde, die er begeht. Am Ende werden es rund 60 sein, doch nur 5 von ihnen werden hier als ‹Incidents› gezeigt. Sie sollen als ‹Quintessenz› seiner künstlerischen Entwicklung dienen und frei nach Nietzsche zeigen, wie Jack der wurde, der er ist. Beginnend mit dem ‹Incident 1›, in dem Uma Thurman eine naiv plappernde und unbewusst Jack provozierende Nervensäge spielt, bis hin zum letzten Ereignis, bei dem Jack gleich mehrere Menschen auf einmal mit einem einzigen Schuss zu töten versucht, reicht dieser mehr als zweieinhalbstündige Totentanz, der von einem Epilog abgerundet wird. In diesem begegnet der Zuschauer erstmals jener Stimme, die vorher bereits aus dem Off als Fragensteller vernehmbar war: Es ist Verge (Bruno Ganz), der – an Dantes ‹Divina Commedia› erinnernd – Jack als dessen Führer Vergil durch die ersten Jenseitsreiche führt.»

Joachim Kurz, KINO-ZEIT

 

«Beifall und Buhrufe – eine bessere Mischung der Zuschauerreaktionen ist kaum denkbar. Endlich ist er an der Croisette angekommen: der intellektuelle Diskurs. Mit seinem jüngsten Werk, The House That Jack Built, tritt Lars von Trier Diskussionen los über die Zumutung, die der Film darstellt, die gedanklichen Brandbomben, die dieser wirft, dessen Brutalität – und die Tatsache, dass all das stellenweise erschreckend komisch ist. Immerhin geht es um einen Serienmörder, der ein irres Genie ist und seine Taten als Kunstwerke arrangiert. Lars von Trier schaut in die Psyche eines hochintelligenten Täters, aber vielleicht ist es auch ein Blick in seine eigene Seele. Die Geister, die im Kopf dieses Mörders herumspuken, seine elaborierte Reflexion über die eigene mentale Störung – das ist einem Hirn entsprungen, das ebenfalls von Dämonen umgetrieben wird. ‹Ein Künstler muss in derselben Verfassung an sein Werk gehen, in der der Verbrecher seine Tat begeht.› Der das sagte, Thomas Mann, war weit davon entfernt, zum Mörder zu werden. Und was ist mit Lars von Trier, diesem Meister der Ambiguität? Kaum ans Filmfestival Cannes zurückgekehrt, knüpft er da an, wo er 2011 mit einem Eklat aufgehört hatte: bei seiner vermeintlichen Nähe zu Adolf Hitler. Mag sein, dass das nur die Interpretation jener ist, die ihn, den grössten Provokateur des Gegenwartskinos, gerne missverstehen. Er liebt dieses Spiel mit dem Zwiespalt, und sein jüngstes Meisterwerk kann man als Summe seines gesamten Schaffens verstehen. (...) Lars von Trier fügt seinen vielen bestürzenden Werken ein weiteres hinzu, das mehr über sein eigenes Schaffen und seine Gedankenwelt aussagt als jedes andere. Es ist die Quintessenz eines Geistes, der nicht zur Ruhe kommt und sein Publikum mitnimmt in die Abgründe der Seele.»

Susanne Ostwald, NZZ, 15.5.2018

 


Lars von Trier
Geboren 1956 in Kopenhagen. Von Trier ist einer der Gründer der Dogma-95-Bewegung und der dänischen Produktionsfirma Zentropa. Er studierte Filmwissenschaften an der Universität Kopenhagen und Regie an der dänischen Filmhochschule. Sein Kinodebüt feierte er 1984 mit The Element of Crime. Er erhielt zahlreiche internationale Preise, unter anderem für die Filme Breaking the Waves (1996), Dancer in the Dark (2000), Antichrist (2009) und Melancholia (2011).