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Filmreihe: Charles Burnett

 
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The Blues – Warming by the Devil’s Fire


Vorfilm: When It Rains

USA/Deutschland 2003

106 Min. Farbe. Digital. E/d

 

Regie: Charles Burnett

Buch: Charles Burnett

Kamera: John L. Demps Jr.

Schnitt: Ed Santiago

Musik: Stephen James Taylor

Mit: Tommy Redmond Hicks, Nathaniel Lee Jr., Carl Lumbly, Ivy Cassel, Frances Horton White

«Aus dem Off erzählt ein Mann rückblickend von seiner Begegnung mit dem Blues und seiner Herkunft. Im Jahr 1956 wird er als Elfjähriger von seiner Familie in den Süden der USA geschickt, zurück zu seinen Wurzeln. In St. Louis soll ihn sein Onkel taufen, um ihn vom ‹Übel› und von den ‹Sünden› zu reinigen; doch ein anderer Onkel nimmt ihn unter seine Fittiche und zeigt ihm schrittweise, von welchen Sünden da überhaupt die Rede ist: vom Tanz und Blues, vom Feiern und Glücksspiel und immer wieder von den Frauen. Vor allem aber erfährt der Junge, dass die vermeintlich so ‹wilde› Lebensweise mehr ist als Ausdruck eines über die Stränge schlagenden Wesens – sie ist vielmehr so etwas wie die emotionale Rettung vor erdrückenden Lebensumständen, Kompensation und ‹kulturelle› Verarbeitung angesichts von Rassismus und Ausbeutung, Armut und existenzieller Verzweiflung, ein Schrei der unerfüllten Sehnsucht nach Freiheit. Während ihm der Onkel von den tragischen Schicksalen einiger Schwarzer in Mississippi und Louisiana sowie den ‹Legenden› des Blues erzählt, nehmen vor den Augen des Jungen die ‹Gespenster› der Vergangenheit Gestalt an, und wie in einem Malstrom vermischen sich die Eindrücke, die sich immer wieder in der Musik bündeln: dem traurigen und melancholischen, aber auch lebensbejahenden Blues. (...) Für seinen Beitrag zu Martin Scorseses ‹Blues-Projekt› greift Burnett erneut auf einen jungen, hier kindlichen Protagonisten zurück, über dessen Initiation sich der Blick auf eine Vergangenheit öffnet, die von den mehr oder weniger gesellschaftlich integrierten Schwarzen vergessen oder verdrängt wurde.»

Horst Peter Koll, filmdienst.de

 


Vorfilm: When It Rains

 

USA 1995
13 Min. Farbe. DCP. E/d

Buch/Regie: Charles Burnett
Kamera: Charles Burnett
Schnitt: Charles Burnett
Musik: Stephen James Taylor
Mit Ayuko Babu, Florence Bracy, Kenny Merritt, Juno Lewis, Charles Bracy

 

When It Rains erzählt von einem Griot (einem afrikanischen Geschichtenerzähler-Musiker nach westafrikanischer Tradition) in Watts, der für eine vom Hinauswurf bedrohte Freundin in der lokalen community Geld aufzutreiben versucht. Aber die simple Geschichte ist nur der Aufhänger für einen Kurzfilm, in dem sich Charles Burnetts spezielle Poesie verdichtet. Ein gleichermassen empathisches und beiläufig geschichtsbewusstes Sozialporträt und ein furioser Musikfilm, strukturiert wie eine Jazz-Komposition: Jede Begegnung ist wie ein neues Solo, wobei sich Stephen James Taylors hinreissender Soundtrack immer wieder über die Gespräche legt (eine Strategie, die Burnett schon in Killer of Sheep anwendete). Die Wurzeln einer schwarzen Kommunikationskultur als Fusion von Wort und Musik. Letztere liefert auch die entzückende Schlusspointe.

Christoph Huber