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Filmbild
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Flügel (Krylja)


Freitag 18.10.2019 18:30

UdSSR 1966

85 Min. sw. 35 mm. Russ/e

 

Regie: Larissa Schepitko

Buch: Walentin Jeschow, Natalija Rjasanzewa

Kamera: Igor Slabnewitsch

Schnitt: L. Lysenkowa

Musik: Roman Ledenew

Mit: Maja Bulgakowa, Sergej Nikonenko, Shanna Bolotowa, Pantelejmon Krymow, Leonid Djatschkow

«Die 42-jährige Nadeschda war im Krieg eine berühmte Kampfpilotin und arbeitet nun als Direktorin einer Schule. Von der Gesellschaft wird sie geachtet und respektiert, im örtlichen Museum hängt ihr Bild als leuchtendes Beispiel einer Kriegsheldin, doch mit der jüngeren Generation gerät sie immer wieder in Konflikte. Ihr geradliniger und autoritärer Stil wird von den Schülern als unnötige Härte und Kälte empfunden, und auch die Beziehung zur erwachsenen Tochter gestaltet sich schwierig. Um ihren Schwiegersohn kennenzulernen, muss sie sich selbst einladen und kaschiert die Peinlichkeit der Situation mit gespielter Fröhlichkeit. Sie könne doch auch mal an sich selber denken, anstatt das Leben als eine Reihe von Verpflichtungen wahrzunehmen, wird ihr von der Tochter geraten. Sich von der Pflichterfüllung zu lösen, fällt Nadeschda aber schwer. Dem banalen Alltagstrott entflieht sie in der Erinnerung an die als glorreich empfundene Vergangenheit. Die Schauspielerin Maja Bulgakowa spielte die Nadeschda mit einer Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit; eine Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft hat und doch innerlich verloren ist.»

Kino Arsenal Berlin, Januar 2013

 

«‹In Flügel führte Schepitko mit männlicher Hand Regie›, sagte Michail Romm. Die Regisseurskollegen staunten über die meisterhaft aufgebaute und gespielte psychologische Studie, über die präzise Kamera, die den Moskauer Alltag und das surreale Ende gleichermassen realistisch filmte. Auch westliche Cineasten priesen Schepitkos Flügel. Aber daheim kam der Film nur ein, zwei Tage in Moskau ins Kino. Dann verschwand er in den Regalen von Goskino wegen wütender Proteste von Kriegsveteranen. Frauen spielen zwar die tragenden Rollen in Flügel. Dennoch war es kein emanzipatorischer Frauenfilm im westlichen Sinn. ‹Es ging mir um die Wahrheit der Kriegsgeneration›, sagte die Regisseurin.»

Felicitas von Nostitz, in: «Sowjetische Regisseurinnen des Kinospielfilms», Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst 3/1990, Wien

 

«Den Generationenkonflikt auslotend zwischen denen, die im Grossen Vaterländischen Krieg für Stalin kämpften, und denen, die danach kamen, kündigte dieses subtile humanistische Werk Schepitko als eine der originellsten Stimmen des sowjetischen Kinos der 60er-Jahre an.»

Melbourne Cinémathèque, Juni 2019