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ARCHIV | Mira Nair

 
Filmbild
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Kama Sutra: A Tale of Love


USA 1996

117 Min. Farbe. 35mm. E/d

 

Regie: Mira Nair

Buch: Mira Nair, Helena Kriel

Kamera: Declan Quinn

Schnitt: Kristina Boden

Musik: Mychael Danna

Mit: Naveen Andrews, Sarita Choudhury, Ramon Tikaram, Rekha, Indira Varma

«Kama Sutra erinnert stark an ein Grimmsches Märchen: Da gibt es das arme, anmutige Mädchen das in die Welt hinauswandern muss, nachdem es vom Hofe verstossen wird; da gibt es eine von Missgunst geplagte Prinzessin, die den klassischen Platz der Stiefschwester einnimmt; und da gibt es die gute Fee, die das Mädchen aufnimmt und erzieht. Und selbstredend stolzieren daneben auch ein ritterlicher Held und ein fieser, feister Herrscher durch die Geschichte.
Die Qualitäten von Kama Sutra liegen in der Klarheit und in dem unbeirrbaren Mut, mit dem der Film zeigt, wie Liebe selbstlos oder besitzergreifend, hässlich, dumm oder himmelhoch jauchzend, lebensrettend oder lebensgefährlich sein kann.
Wie auf einem Schachbrett der Liebe spielt die Regisseurin mit ihren vier Hauptfiguren zielstrebig Zug um Zug durch: Begehren, Hingabe, Lust, Vergewaltigung, Kalkül, Verrat.
Und Nair vergisst nie, dass sie ausschliesslich von der Sicht der Frauen auf die angebliche Himmelsmacht berichten will - ohne diese gleich zu makellosen Heldinnen zu stilisieren. Pornographisch, wie die indischen Autoritäten bangten, ist das sicher nicht. Radikal schon.»

S. Weingarten, Spiegel 1997

 

«Ein visuell und emotional explosiver, sinnenfreudiger Film ist Mira Nair mit Kama Sutra gelungen, der an Originalschauplätzen in Indien inszeniert wurde. Hier wird das Verhältnis von Liebe und Macht sowie von Loyalität und Verrat auf eindringliche Weise zugespitzt, wobei reichlich Raum für das Erleben intensiver Sinneslust geschaffen wird, mit oder ohne tiefe Empfindungen. Die Strategien der Liebe in all ihren Facetten obliegen hier den starken Frauenfiguren, während die männlichen Protagonisten letztlich daran scheitern. Dass der Film seinerzeit in Indien und anderswo recht kritisch rezipiert wurde, liegt nicht nur an seinem hohen erotischen Faktor, sondern sicherlich auch an seiner unüblichen Art, mit den Geschlechterrollen zu jonglieren, was allerdings innerhalb der ebenso spielerischen wie tragischen Dramaturgie äusserst anregend erscheint.» 

Marie Anderson, kino-zeit.de