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ARCHIV | Premiere

 
Filmbild

L’Apollon de Gaza


Schweiz/Kanada 2018

78 Min. Farbe. DCP. F/d

 

Regie: Nicolas Wadimoff

Buch: Nicolas Wadimoff, Béatrice Guelpa

Kamera: Franck Rabel

Schnitt: Christine Hoffet

Musik: Claude Fradette

Mit: Jean-Babtiste Humbert, Walid Al-Aqqad, Jawdat Abu Ghurab, Nafez Abed, Jawdat Khoudary

«Im August 2013 taucht in Gaza eine mehr als 2’000 Jahre alte Bronzestatue von Apollo auf. Ein palästinensischer Fischer soll die 750 Kilogramm schwere Plastik auf dem Meeresboden entdeckt und mit viel Arbeit und Mühe geborgen haben. Fotos geraten in Umlauf, die den gut erhaltenen, grünlich schimmernden Gott des Lichts, der Künste, der Heilkunst und der Orakel liegend auf einem Tuch mit Schlumpfmotiven zeigen. Auch wenn nur wenige den ‹Apollo von Gaza› mit eigenen Augen zu Gesicht bekamen, wird er unmittelbar zum Objekt von merkantilen wie geopolitischen Interessen und Spekulationen. Es gibt Angebote und Gebote, Verhandlungen mit Museen, Verdachtsmomente und wilde Gerüchte. Dann ist die Statue plötzlich verschwunden, von der Hamas-Regierung beschlagnahmt – so heisst es, bevor man hinzufügt, nicht über die Sache sprechen zu dürfen. Mit einer Mischung aus Mystery und investigativer Recherche zeichnet L’Apollon de Gaza die Geschichte um den spektakulären Fund nach, der nicht zuletzt symbolpolitisches Gewicht hat. Am Ende bleiben die Hoffnungen einer von Krieg und Blockade gezeichneten Region, die sich von dem schönen Gott in Bronze eine Wiederanknüpfung an die verschüttete kulturelle Vergangenheit verspricht.»

DOK Leipzig 2019

 

«Der Dokumentarfilm von Nicolas Wadimoff holt die Schlüsselfiguren dieses Fundes sowie internationale Fachpersonen vor die Kamera und legt ein Mysterium mit unendlich komplexen Verzweigungen frei. L’Apollon de Gaza untersucht nicht nur das Geheimnis der Statue, sondern entwickelt davon ausgehend faszinierende Einblicke in ein Land, in dem alles politisch ist. In diesem Konglomerat aus Wahrheiten und Lügen verstecken sich die weiterführenden Hinweise eher im schelmischen Lächeln vieler Gesprächspartner als in den von ihnen gemachten Aussagen. Vor der Kamera des Genfer Regisseurs wird zunehmend deutlich, welche konkreten Interessen die Statue symbolisiert. Hinter der kurz aufblitzenden Erscheinung des antiken Apollo tut sich nicht nur die Frage der Macht im Gazastreifen auf, sondern auch die Frage eines Volkes, welches sich geduldig an das Versprechen einer neuen Kultur klammert, die durch eine Gründungsgeschichte konstruiert und legitimiert wäre. Der Filmemacher gibt nicht vor, Unlösbares zu lösen oder Wahres von Falschem zu unterscheiden – sein Blick bleibt respektvoll und diskret.»

Thomas Gerber

 


 

Nicolas Wadimoff
Geboren 1964 in Genf. Er studierte Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Film an der Universität von Québec, Montréal. Zwischen 1992 und 1996 arbeitete er für den Schweizer Fernsehsender TSR und drehte Reportagen für verschiedene Nachrichtensendungen. 1996 entstand sein erster abendfüllender Spielfilm Clandestins. Seither hat er mehr als 20 Spiel- und Dokumentarfilme realisiert, darunter die vielfach ausgezeichneten Aisheen, Chroniques de Gaza (2010), Opération Libertad (2012), Spartiates (2014), Jean Ziegler – l’optimisme de la volonté (2016) und jüngst L’Apollon de Gaza (2018), die auf grossen internationalen Filmfestivals wie der Berlinale, dem Locarno Film Festival oder der Quinzaine des réalisateurs in Cannes gezeigt wurden. Er ist Mitbegründer von Akka Films und seit 2019 Leiter der Filmabteilung der HEAD in Genf.