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ARCHIV | Le Bon Film

 
Filmbild

The Tale


USA/Deutschland 2018

114 Min. Farbe. DCP. E/d

 

Regie: Jennifer Fox

Buch: Jennifer Fox

Kamera: Denis Lenoir, Ivan Strasburg

Schnitt: Anne Fabini, Alex Hall, Gary Levy

Musik: Ariel Marx

Mit: Laura Dern, Isabelle Nélisse, Elizabeth Debicki, Jason Ritter, Ellen Burstyn

Tickets zu The Tale  können nur an der Kinokasse bezogen werden.

 

«Die junge Jennifer verbringt 1973 einen Sommer auf einer Pferdefarm. Dort beginnt sie eine sexuelle Affäre mit ihrem wesentlich älteren Trainer. Als erwachsene Frau ist Jennifer eine erfolgreiche Dokumentarfilmerin geworden, doch als ihre Mutter einen alten Schulaufsatz findet, erscheinen die Erinnerungen an die Zeit auf der Farm in einem anderen Licht. Jennifer wurde sexuell missbraucht und derartig manipuliert, dass sie bis heute meint, diese Beziehung sei im beidseitigen Einverständnis verlaufen. Die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit bringt die erwachsene Jennifer an ihre Grenzen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmemacherin Jennifer Fox verarbeitet in The Tale ihre eigene Missbrauchserfahrung. Mit grossartigen Darstellern und den Mitteln des autofiktionalen Erzählens tritt sie in den Dialog mit den Dämonen ihrer Vergangenheit.»

One Two Films

 

«Wenn Kinohelden mit ihren kindlichen Alter Egos in Kontakt treten, ist das ein sicheres Indiz dafür, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist. Im Missbrauchsdrama The Tale externalisiert die Regisseurin Jennifer Fox diesen inneren Dialog: Jenny stellt ihr 13-jähriges Ich zur Rede, drängt es dazu anzuerkennen, dass das, was ihr als Kind angetan wurde, kein rite de passage war, sondern ein Verbrechen. Schicht für Schicht werden die emotionalen Nuancen eines sexuellen Missbrauchs offengelegt: die Suche nach Bestätigung, die ungleichen Machtverhältnisse, die Scham. Fox erzählt in der HBO-Produktion The Tale, die seit der Premiere in Sundance im Januar mit Auszeichnungen überhäuft wurde, ihre eigene Geschichte, die sie mit Hilfe alter Tagebücher aufarbeitete. Eine schockierende Studie auch über die Fähigkeit der Psyche, schmerzhafte Erinnerungen zu verschliessen.»

Andreas Busche, Der Tagesspiegel, 22.11.2018

 

«Es geht um die Geschichte, die sie nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst erzählt hat und um die Wahrheit, die sie als Erwachsene detektivisch aufdeckt. Eine Art Operation am offenen Herzen sozusagen. (...) In der Erinnerung richtet man sich die Räume der Vergangenheit so ein, wie man sie bewohnen möchte. Es ist ein langwieriger Prozess der Vermittlung, zwischen der 13-Jährigen, die ihr sexuelles Verhältnis mit ihrem 40-jährigen Lauftrainer Bill für eine Liebesgeschichte hält, und der fast 50-Jährigen, die diese Beziehung bei ihrem tatsächlichen Namen Missbrauch nennen kann. Der Film selbst ist Teil dieses Prozesses, den er auf so berührende wie erschütternde Weise in seiner ganzen, widersprüchlichen Komplexität transparent macht, ungeschönt und direkt, ohne die Möglichkeit, die Ereignisse in irgendeiner Form zu verharmlosen.»

Anke Sterneborg, Die Zeit,  18.8.2018

 

Wir zeigen The Tale im Rahmen der Veranstaltungsreihe «grrrls grrrls grrrls» des Theater Basel.

 



Jennifer Fox
Geboren 1959. Die US-amerikanische Autorin, Produzentin, Kamerafrau und Regisseurin hat bislang vor allem im dokumentarischen Fach gearbeitet. Ihr Debüt Beirut: The Last Movie wurde 1988 auf der Berlinale und beim Festival von Sundance gezeigt, wo er den Grand Jury Prize für den besten Dokumentarfilm gewann. Ihre wegweisende 10-stündige TV-Serie An American Love Story war international auf Festivals zu sehen und wurde mit dem Gracie Award für die beste TV-Serie ausgezeichnet. Die Arte-Koproduktion Wiederkehr (2011) über einen tibetischen Mönch im Exil und seinen Sohn drehte sie über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die autobiografisch inspirierte Produktion The Tale ist ihr erster Spielfilm.