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ARCHIV | Le Bon Film

 
Filmbild

Becoming Animal


Schweiz/Grossbritannien 2018

78 Min. Farbe. DCP. E/d

 

Regie: Emma Davie, Peter Mettler

Buch: Emma Davie, Peter Mettler

Kamera: Peter Mettler

Schnitt: Emma Davie, Peter Mettler

Musik: Bernhard Fleischmann

Mit: David Abram

«Sein Geweih ist majestätisch, sein Blick durchdringend. So steht er da und sieht uns an, der Elch, mitten im Grand Teton National Park in Wyoming, der seine Heimat ist. Es ist eine Welt, in der die Lebewesen, die sie auf unendliche Weise bereichern, den Vortritt haben und in die wir uns behutsam einfühlen – mal aus der Vogelperspektive, dann wieder ganz nah, unmittelbar mit den Sinnen erfassend, wie die Schnecke, die ihre Fühler tastend in die Umgebung streckt. Denn nur so, heisst es in dem Essayfilm von Emma Davie und Peter Mettler, lassen sich Beziehungen herstellen zwischen dem, was wir sind, und dem, was uns umschliesst: Mensch und Tier, Raum und Zeit, Körper und Intuitionen. Gemeinsam mit dem Philosophen und radikalen Denker David Abram begeben sich die schottische Dokumentarfilmerin und ihr kanadisch-Schweizer Kollege auf eine faszinierend sensorische Entdeckungsreise in die Natur, um den Zuschauer anhand von Beobachtungen und Reflexionen zurückzuführen an einen Punkt, der die Abhängigkeit und Rückwirkung zwischen menschlichen und animalischen Kräften erneut greifbar macht. Auf Tuchfühlung mit Büffeln, Raben, heissen Quellen und rauschenden Wäldern kommen sie dabei zu erstaunlichen Einsichten und Ansichten über das Hier und Jetzt und dessen viele Vorgeschichten.»

Pamela Jahn, Bildrausch Filmfest Basel 2018

 

«Die animistische Sinneswahrnehmung einer ‹Allbeseeltheit der Natur› ist – paradox genug – dank moderner Spitzentechnik möglich. Aber Achtung, ‹please check surrounding for safety›: Die Warnung des Auto-Computers gilt nicht dem Bären, den Mettlers Regiekollegin Emma Davie zu hören glaubt, sondern nur der Distanz zum nächsten Baum. Immer wieder bricht das Filmteam das scheinbar unmittelbare Naturerlebnis, um die Technik bewusst zu machen oder ironisch zu kommentieren. Etwa bei einer Tankstelle, die ihre Sparangebote auf einer bewegten Leuchttafel mit rennenden Büffeln anpreist – ein typischer, irrwitziger Mettler-Moment, sagenhafte Wechselwirkungen von Natur und Technik (...) Ein Wermutstropfen ist vielleicht die Länge – nur 78 Minuten, man würde gern eine halbe oder ganze Stunde länger hinschauen. Aber sie ‹konnten nicht anders›, wie Mettler schmunzelt: ‹Wie auch immer wir den Film schnitten, am Ende kamen immer 76 bis 78 Minuten heraus, seltsam genug.› Die Verlängerung passiert im Kopf des Zuschauers.»

Marcel Elsener, Saiten 8.6.2018

 


 

Peter Mettler

Geboren 1958 in Toronto, ist ein schweizerisch-kanadischer Filmregisseur und Kameramann. Bekannt für seine einzigartige Herangehensweise, die sich in Werken wie Picture of Light (1994), Gambling, Gods and LSD (2002) oder The End of Time (2012) zeigt, verschmilzt er in seinen Filmen intuitiv-assoziative Prozesse mit Drama, Essay, Experiment oder Dokumentation. Als starker Verfechter des freien kreativen Schaffens hat er mit Filmemachern, Künstlern und Musikern zusammengearbeitet, wie zum Beispiel Atom Egoyan, Fred Frith, Robert Lepage, Andreas Züst, Edward Burtynsky, Jennifer Baichwal, Michael Ondaatje.

 

Emma Davie

Geboren 1965 in Glasgow. Sie macht seit 15 Jahren Dokumentarfilme und unterrichtet am College of Art in Edinburgh, wo sie als Programmdirektorin für Film tätig ist. Ihr letzter Film I am Breathing (2013), den sie zusammen mit Morag McKinnon inszenierte, wurde unter anderem mit dem schottischen BAFTA für die beste Regie ausgezeichnet und in über 50 Ländern gezeigt. 1991 hat Emma Davie als Schauspielerin in Mettlers Tectonic Plates gespielt. Ihr kreativer Austausch nahm damit seinen Anfang und hat sich seither kontinuierlich weiterentwickelt.