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ARCHIV | Premiere

 
Filmbild

Tadmor


Frankreich/Libanon/Schweiz/Katar/Vereinigte Arabische Emirate 2016

103 Min. Farbe. DCP. OV/d/e

 

Regie: Monika Borgmann, Lokman Slim

Buch: Monika Borgmann

Kamera: Talal Khoury

Schnitt: Olivier Zuchuat

Musik: Pierre Jodlowski

Am FR 10.03.17 in Anwesenheit der Regisseure

 

«Das Gefängnis in Tadmor war ein Ort der Grausamkeit. Der Dichter Faraj Bayrakdar nannte es das «Königreich des Todes und des Wahnsinns». Bis zu seiner Zerstörung durch den IS im Jahr 2015 sassen in dem Bauwerk syrische und libanesische Gegner des Assad-Regimes ein und wurden systematisch gefoltert und gedemütigt. Acht von ihnen legen in dem Film Zeugnis ab von dem Horror, den sie erlebt haben. Um ihr Trauma zu verarbeiten, bauen sie in einer verlassenen Schule in der Nähe von Beirut Tadmor nach. Dort spielen sie in verteilten Rollen Opfer und Täter nach - und erleben ihr Überleben neu. Tadmor ist ein erstaunlicher Film, der den Zuschauer mit der Kraft der Worte und der Plastizität seiner Bilder in den Bann zieht.»
Filmfest Hamburg 2016

 

«Tadmor vermeidet die Falle des Voyeurismus, weil die Gewalt hier eben nicht theatralisch herausgestellt, sondern fast kriminologisch als Teil des Gefängnisalltags beschrieben wird. Den Männern gelingt dabei ein Drahtseilakt: Sie entblössen sich in ihrer nachempfundenen Angst und Erniedrigung und erscheinen dennoch als souverän Handelnde. Sie fordern den Zuschauer auf, weiter hinzusehen. Weil das, was sie zeigen, passiert ist. So schwer manche Szenen zu ertragen sind - dieser Film ist vor allem ein Tribut an den Überlebenswillen der Gefangenen. In einer der stärksten Szenen zeichnet die Kamera auf, wie die Häftlinge das einzige Ei einer Essensration mit einem Bindfaden in acht Teile schneiden. Weil sie nicht gleich gross sind, dreht sich einer mit dem Gesicht zur Wand und ruft für jedes Stückchen den Namen eines Insassen auf, ohne zu sehen, wer mehr oder weniger bekommt. Mit solchen selbst auferlegten Regeln verteidigten sie ihre Würde.»
Andrea Böhm, Die Zeit 10.10.2016

 

Monika Borgmann und Lohmann Slim
Monika Borgmann, geb. 1967 in Deutschland, lebt seit über 20 Jahren als Journalistin und Filmemacherin im Mittleren Osten. Zusammen mit ihrem Mann Lokman Slim, geb. 1962 im Libanon, gründete sie 2001 in Beirut die Filmproduktion Umam Productions. Ihr gemeinsamer Film Massaker (Co-Regie: Hermann Theissen) gewann 2005 zahlreiche Preise, darunter den FIPRESCI-Preis auf der Berlinale.