2013 |
PROPAGANDA!?
Was ist Schweizer Propaganda? Studierende der Universität Basel präsentieren am 9. Dezember im Stadtkino Basel spannende Einblicke ins politische Filmschaffen der Schweiz von den 30er-Jahren bis heute. Der Abend ist Teil der Veranstaltungsreihe «Erlebte Schweiz». Diese zeigt thematische Programme mit einmaligen Film- und Tondokumenten, die dank der engagierten Arbeit von «Memoriav», dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, gerettet wurden.
Was ist Schweizer Propaganda? Studierende der Universität Basel präsentieren am 9. Dezember im Stadtkino Basel spannende Einblicke ins politische Filmschaffen der Schweiz von den 30er-Jahren bis heute. Der Abend ist Teil der Veranstaltungsreihe «Erlebte Schweiz». Diese zeigt thematische Programme aus einmaligen Film- und Tonbeständen, die dank der engagierten Arbeit von «Memoriav», dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, gerettet wurden.
Als 1944 Flüchtlinge aus dem Elsass nach Basel strömten, filmte die Schweizer Filmwochenschau die Ankunft der vom Krieg gezeichneten Familien in der Stadt. Was hat dieses eindrückliche Dokument mit dem Werbespot der internationalen Organisation für Migration gemeinsam, der 2007 im Auftrag der Schweiz in Kamerun ausgestrahlt wurde, um potenzielle Migranten von einer Flucht nach Europa abzuhalten? Beide Filme transportieren ein spezifisches Bild einer «Flüchtlingsrealität», die beim Publikum eine bestimmte Reaktion auslösen soll.
Ab 1942 war das Thema «Flüchtlinge» mit einem fast totalen Bildverbot belegt. Erst als das Kriegsende und ein Sieg der Alliierten absehbar war, befasste sich die Filmwochenschau mit Zivilflüchtlingen. Die Beschwörung der humanitären Tradition diente nicht zuletzt der Imagepflege im Ausland. 2007 hingegen versuchte sich die Schweiz in Afrika als möglichst unattraktiv zu präsentieren. Die beiden Beiträge sind Beispiele für staatliche Propaganda – mit ganz unterschiedlichen Botschaften.
Dass auch in der Schweiz politische Ziele über das Medium Film verfolgt werden, ist wenig überraschend. Trotzdem ist es für viele irritierend, dieses Schaffen als Propaganda zu bezeichnen.
Rund 25 Studentinnen und Studenten haben sich während eines Semesters unter der Leitung der Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Francesca Falk und des Historikers und Filmspezialisten Dominique Rudin intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Für den Abend im Stadtkino haben sie die spannendsten Leckerbissen aus dem filmischen Vermächtnis der Schweizer Archive zusammengestellt und präsentieren diese zusammen mit den Ergebnissen ihrer Studien. Dabei wird deutlich: Historische Filmquellen können äusserst unterhaltsam sein. Und das Studium an der Uni muss nicht nur im Elfenbeinturm stattfinden.
Zu sehen sind insgesamt drei Filmblöcke mit Dokumenten aus über 70 Jahren Filmgeschichte. Auf den Themenblock Migration folgt einer zu sozialen Bewegungen, der auf das politische Videofilmen der 1980er Jahren eingeht – ehemalige Stadtgärtner werden sich vielleicht wieder erkennen. Den Schluss macht ein Filmblock zur Geistigen Landesverteidigung, der auch Ausschnitte aus dem politisch brisanten Antikommunismusfilm Die Rote Pest von 1937 zeigt, dessen Aufführung lange nur mit einer Spezialgenehmigung möglich war.
Erlebte Schweiz ist eine Partnerschaftsproduktion von: Schweizerische Nationalbibliothek, SRG SSR idée suisse und Memoriav. Alle Informationen finden sie auf www.erlebte-schweiz.ch.