PAZAR
Deutschland/Grossbritannien/Türkei/Kasachstan 2008 | 93 Min. Farbe. 35 mm. OV/d
Regie: Ben Hopkins | Buch: Ben Hopkins | Kamera: Konstantin Kröning | Schnitt: Alan Levy | Musik: Cihan Sezer | Mit: Tayanç Ayaydin, Genco Erkal, Senay Aydin, Hakan Sahin, Rojîn Ulker
«Mihram ist kein Dieb, aber einer, der nimmt, was er kriegen kann. Er verhökert in der Osttürkei, was er in Aserbaidschan günstig ersteht. Sein grösster Coup soll der Handel mit Handys werden, die sicher irgendwann auch in seinem Örtchen der Renner sein werden. Die nötige Kommunikationstechnik hat schon das Nachbarkaff erreicht. Und wenn Mihram etwas nicht lassen kann, dann ist das handeln, zocken und pokern. Er ist, wenn man so will, zugleich die osmanische Antithese zum abendländischen ‹Hans im Glück›. Denn Mihram glaubt zwar an einen grossen Coup, verliert und verliert aber immer weiter. Als er für eine Ärztin Impfstoffe aus dem Nachbarland besorgen soll, freut sich seine schwangere, gläubige Frau schon, ihr Mann könne vielleicht doch in den Himmel kommen. Wenn er schon zu Lebzeiten nichts auf die Beine stellt. Als Schurken ihm einen Strich durch die Rechnung machen, wird er selbst zu einem Dieb und klaut sich die Ampullen im Krankenhaus.»
Birgit Glombitza, taz, 29.11.2008
«Von den Fantasiewelten seiner schrägen Vorgängerfilme, The Nine Lives of Tomas Katz und 37 Uses for a Dead Sheep, ist gerade einmal die eingangs erwähnte orientalische Märchenfee und eine fein ziselierte Situationskomik übrig geblieben, mit der Hopkins das verhalten Zwischenmenschelnde seiner Protagonisten auf den Punkt bringt. Das mit ruhiger Hand und Kenntnis örtlicher Mentalitäten inszenierte Drama über einen kleinen Handlungsreisenden versteckt seine politischen Botschaften unaufdringlich hinter einer persönlichen Geschichte und einer an Wim Wenders gemahnenden Musikauswahl. Die Filmmusik gestaltete der zwischen Klassik und Arabesque pendelnde Cihan Sezer, den Schlussakkord setzt der türkisch-jüdische Chansonnier Dario Moreno mit brüchiger Stimme. Dazu stolpert Mihram betrunken über die Tanzfläche einer Provinzbar …»
Bernd Buder, Film-Dienst, 24/2008

