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LE BON FILM
 

THIS IS NOT A FILM (IN FILM NIST)

 

Iran 2011 | 75 Min. Farbe. 35 mm. OV/d
Regie: Jafar Panahi, Mojtaba Mirtahmasb | Buch: Jafar Panahi | Kamera: Jafar Panahi | Schnitt: Jafar Panahi | Musik: Annie Lin | Mit: Jafar Panahi


«Wie dreht man einen Film, wenn man nicht filmen darf? Der iranische Regisseur Jafar Panahi, der im Dezember 2010 gemeinsam mit seinem Kollegen Mohamed Rasoulof zu sechs Jahren Haft sowie 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot verurteilt worden war, bat einen Freund, die Kamera auf ihn zu richten. Das Ergebnis heisst This is Not a Film, mit Mojtaba Mirtahmasb als Kameramann und Ko-Regisseur: eine schwarze Tragikomödie gegen die Zensur, 75 zum Weinen komische, dramatische Minuten, gedreht in der eigenen Wohnung im Hochhaus in Teheran. Das Video-Tagebuch wurde auf einem USB-Stick nach Cannes geschmuggelt. Dies ist kein Film, aber was für einer. Panahi frühstückt, feilscht am Telefon mit seiner Anwältin um die Wahrscheinlichkeit einer reduzierten Haftzeit, füttert das Haustier der Panahis, die Echse Igi. Er zeigt einen Ausschnitt aus seinem ersten Film Der Spiegel, in dem die Hauptdarstellerin, ein kleines Mädchen, nicht mehr mitspielen will. Er spielt Szenen aus einem seiner von den Behörden abgelehnten Drehbüchern vor: Es geht um eine junge Frau, der die Familie das Studium in Teheran verbietet und die zu Hause eingesperrt wird. Panahi, der unter Hausarrest steht, markiert mit Klebestreifen in seinem Wohnzimmer das imaginäre Gefängnis einer imaginären Filmheldin. Zwei, drei Quadratmeter Iran – Panahi übernimmt den Part der jungen Frau, bis auch er plötzlich nicht mehr mitspielt und abbricht. ‹Wenn man einen Film erzählen kann, warum soll man ihn dann noch drehen?› Selbst das Aufbegehren gegen die so drastisch gesetzten Grenzen stellt die eigene Arbeit existenziell infrage. Aber dann macht er weiter. Ein-Mann-Theater gegen die Zensur. (…) This is Not a Film ist mehr als ein Appell zur Solidarität: ein gewitzter, zutiefst humaner, bewegender Film über die Kunst, sich das Filmemachen nicht verbieten zu lassen.»
Christiane Peitz, Die Zeit, 2.11.2011

 

«Man könnte Panahi fast für einen Luxusgefangenen halten, wenn man ihm in dem Film dabei zusieht, wie er in seinem lichtdurchfluteten, geräumigen Apartment im neunten Stock eines Wohnhauses im vornehmen Norden von Teheran umherläuft, umgeben von schweren Holzmöbeln und grossen Flachbildschirmen. In seiner Wohnung hat er sogar eine eigene Bar, an der er seine Gäste bewirten kann. Aber Panahi hat keine Gäste. Fast den ganzen Film über ist er allein, nur ein Leguan leistet ihm Gesellschaft. Er wollte offenbar niemanden aus seiner Familie oder von seinen Freunden und Kollegen mit vor die Kamera holen und hineinziehen in seinen Kampf. Wenn er da so sitzt, das iPhone in der Hand, und von draussen dringen die Geräusche der Feuerwerkskörper ein, mit denen die Menschen ausgelassen das neue Jahr begrüssen, dann wirkt Panahi plötzlich wie Gottes einsamster Mann.»
Lars-Olav Beier, Der Speigel, 23.5.2011

 
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