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September
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SHAKESPEARE FOREVER!
 

William Shakespeare gilt als einer der grösssten englischen Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Auch bei Filmemachern erfreuen sich Shakespeares Werke enormer Beliebtheit, seit der ersten Verfilmung 1899 bis heute sind weit über 500 Filme nach Bühnenstücken Shakespeares entstanden! Das Stadtkino Basel lädt im Februar zu einer Reise durch dieses filmische Shakespeare-Universum ein. Von tiefer Tragik bis umwerfender Komik wird dabei das ganze Spektrum ausgekostet werden. Mit gleich drei Adaptionen und einer freien Bearbeitung bildet "Hamlet" das Herzstück der Filmreihe. Neben klassisch gehaltenen Adaptionen sind auch bunte Experimente wie Baz Luhrmanns Romeo and Juliet oder Derek Jarmans avantgardistischer The Tempest zu sehen. Abgerundet wird die Filmreihe mit Werken, die Shakespeares Motive und Figuren weiterspinnen wie etwa Tom Stoppards köstliches Vergnügen Rosencrantz & Guildenstern Are Dead.

 

I. Zelluloid-Shakespeare

 

Als die Bilder laufen lernten, taten sie das nicht zuletzt mit Shakespeare. Schon die Pioniere des Films liessen um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert traumhaft anmutende Szenen aus Dramen dieses Klassikers der Weltliteratur u?ber die Leinwand flackern, und seither ist die Geschichte der Shakespeare-Verfilmungen ein wichtiges Unterkapitel der Geschichte des Films. In frühen Jahren zog man Shakespeare heran, um dem neuen Medium Prestige zu verleihen und es durch die Verbindung mit Elementen der Hochkultur über den Status der Jahrmarktsattraktion herauszuheben. Dank des Ansehens des unsterblichen Dramatikers konnte auch so manches Grossprojekt realisiert werden: Der deutschstämmige Regisseur William Dieterle verfilmte 1935 mit dem beru?hmten Theatermann Max Reinhardt A Midsummer Night’s Dream mit avancierter Tricktechnik und ausgefeilten Tanzchoreografien, zu denen die Musik von Felix Mendelssohn- Bartholdy erklang. In den folgenden Jahrzehnten gab es sehr unterschiedliche filmische Inszenierungen und auch einige konkret politische Aneignung. So widmete Laurence Olivier seinen Propagandafilm Henry V (1944), in dem er selbst den siegreichen Helden von Agincourt verkörpert, den «commandoes and airborne troops of Great Britain». Seit den 1990er Jahren dienen Verfilmungen nicht zuletzt der Popularisierung des Klassikers Shakespeare und der Öffnung seines Werks für ein breiteres Publikum. Ein grosser Erfolg im Mainstream-Kino war Baz Luhrmanns temporeiche Neuverfilmung der Tragödie Romeo and Juliet (1996), die im amerikanischen Mafia-Milieu mit Latino-Kitsch und Western-Anspielungen angesiedelt ist. Als grosser Popularisierer tat sich Kenneth Branagh hervor und feierte Erfolge mit der kriegskritischen Neuinterpretation von Henry V (1989), der sonnendurchfluteten Komödie Much Ado About Nothing (1993) und einer monumentalen Inszenierung von Hamlet (1996), die er sowohl mit komplettem Text als auch als gekürzte Kino- Fassung vorlegte. Al Pacino versuchte mit seinem innovativen «film essay» Looking for Richard (1996), Shakespeares Historiendrama um den blutrünstigen Usurpator dem amerikanischen Publikum näherzubringen. Insgesamt fällt auf, dass die Shakespeare-Projekte oft von Schauspielern initiiert werden, die sich in den grossen Rollen verewigen wollen.

 

II. «…I have that within which passes show…»

 

Worin besteht die anhaltende Faszination Shakespeares? Noch mehr als die kunstvolle Sprache und Dramaturgie sind es einerseits die Geschichten, die das ganze Spektrum von tiefer Tragik bis zu umwerfender Komik abdecken, und andererseits bestimmte Figuren – «realer» als manch echter Zeitgenosse –, die man nie wieder vergisst, wenn man ihnen einmal begegnet ist. Obwohl sich sein Weltbild deutlich von dem unseren unterschied, steht Shakespeare mit seinem Werk am Beginn der Moderne und hat diese auch mit geprägt. Wie seine Figuren ihr Schicksal herausfordern und meistern oder daran scheitern, wie sie ihre Freuden und Leiden erleben, ist für uns ebenso verständlich wie für die Menschen vor vierhundert Jahren, obwohl wir mit ziemlicher Sicherheit etwas anderes verstehen. Gerade die Tragödien, die sich mit den Leidenschaften und den Abgründen der menschlichen Seele befassen und von Herrschaftsansprüchen, problematischen Familienbeziehungen und Liebesverhältnissen handeln, haben eine überzeitliche und überkulturelle Attraktivität. Hamlet, der Prinz von Dänemark, steht beispielhaft für das moderne Subjekt. Nicht das schwarze Trauergewand macht ihn für andere lesbar, sagt er, sondern der äussere Schein ist nur ein Anhaltspunkt, möglicherweise ein trügerischer, für eine letztlich unverfügbare Innerlichkeit: «I have that within which passes show.» Hamlet ist komplex, widersprüchlich, rätselhaft, so vertraut und so fremd wie wir uns selbst. Nicht umsonst ist es noch immer der Ritterschlag für einen Schauspieler, «den Dänen » zu spielen, denn eine so vielschichtige Figur lädt ein, sie immer wieder neu zu erforschen. Laurence Olivier interpretierte Hamlet 1948 unter dem Einfluss Freud’scher Psychoanalyse ganz ödipal – getrieben vom unbewussten Wunsch, den Vater zu töten und mit der Mutter zu schlafen. Bei Kenneth Branagh wird Hamlet zum eiskalten Machtpolitiker, der den Dolch weniger gegen sich selbst als gegen seine hinter einer Spiegelwand sitzenden Feinde richtet. Aki Kaurismäki macht ihn in Hamlet Goes Business (1987) zum grausamen Geschäftsmann, und Ethan Hawke spielt den Prinzen in Hamlet. The Denmark Corporation (2000) als verzogenen Slacker mit pseudo-cooler Mütze: «Hamlet ist wie Kurt Cobain.» Tom Stoppard inszeniert die Tragödie des Prinzen als absurdes Theater, in dem die auf Hamlet als Spione angesetzten Studienfreunde im Mittelpunkt stehen. Ahnungslos gehen sie ihrem bereits im Titel Rosencrantz und Guildenstern Are Dead (1966/1990) angesagten Untergang entgegen, ausgetrickst von einem diabolischen Drahtzieher im Hintergrund. All das gibt der Text ohne Weiteres her. Shakespeares Geschichten und Figuren entstehen immer wieder neu im Universum des Films, in Schwarz-Weiss und Technicolor, und das Stadtkino Basel zeigt nun eine repräsentative Auswahl der interessantesten Shakespeare-Verfilmungen. Einziger Nachteil dabei: Man bekommt Lust auf «mehr».

 

Ina Habermann

 
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